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2014 richtete Klaus Meyer zum ersten Mal den Heide-Ultra-Trail aus, einen 50 Meiler mit 730 Höhenmeter durch die Lüneburger Heide. Mir war das seinerzeit zu viel. Zur zweiten Auflage bot er auch eine 50 km Strecke mit ca. 450 Höhenmeter an. Ganz nach meinem Geschmack. Also meldete ich mich an. 

Zu fünft wollten wir heute zum Start. Relativ spontan erhielt ich drei Absagen. Ich selber lag bis vor kurzem auch noch flach. Wer der Lauf 1-2 Tage eher gewesen, ich hätte auch abgesagt. So machte ich mich aber heute zusammen mit Danilo „Running Zottel“ Striegler auf nach Schneverdingen. Viel malte ich mir für heute nicht aus, aber ich wollte wenigstens dabei sein.

Auf der Hinfahrt schüttete es wie aus Eimern. Ein nasser Auftakt für den 80 km Lauf, der schon im Gange war. Wir 50er sollten mehr Glück haben. Bis zu unserem Start verzog sich der Regen wieder.

Das Rennen begann an der Sporthalle in der Harburger Straße. Schon auf den ersten Kilometern wurde deutlich, dass ich heute der Masse hinterher laufen muss.    

Danilo und ich bildeten zunächst mit Jörg Clausen eine Dreiergruppe. Jedoch konnte ich die Pace nicht halten und wir mussten Jörg nach gut 20 km ziehen lassen. Danilo hätte zwar vorerst mithalten können, da er aber kein eigenes GPS besaß blieb er bei mir. Er wollte den Umgang mit meinem Etrex lernen und übernahm es für das heutige Rennen. Am ersten Verpflegungspunkt sahen wir Jörg nochmal kurz, dann war er endgültig  weg. 

 

VP 1 & 2

Der VP war ein Wohnmobil bei Oberhaverbeck. Dort gab es alles, was das Läuferherz begehrte. Und noch viel mehr. Wir nahmen einen kleinen Snack zu uns und zogen weiter. Es folgten schöne Abschnitte durch Wald und Flur. Am Totengrund konnten wir erstmals die schöne Aussicht über längere Entfernung bewundern. Wir konnten von hier in der Ferne sogar den Snowdome Bispingen erkennen. 

 Der GPS-Track führte uns weiter nach Wilsede, einem idyllischen, autofreien 50 Seelen Dorf. Hier fühlte man sich in die vorindustrielle Epoche zurückversetzt, hier muss irgendwann die Zeit stehengeblieben sein. Man kam sich vor wie in einem Freilichtmuseum. 

   
Wir verließen das Dorf gen Osten vorbei an einer Herde Heidschnucken. Links markierte eine orangene 80 auf einem Baum den weiteren Streckenverlauf für die 50 Meiler. Wir liefen gradeaus weiter. Ein paar km weiter trafen wir auf die nächsten Markierungen und Bögen rechts ab. Nun liefen wir einen sandigen Wirtschaftsweg durch offene Heide. Eine Kutsche kam uns entgegen. Der Kutscher gab fröhlich ein Lied zum besten. An der nächsten Kreuzung passte der GPS-Track nicht im geringsten zu unserer Umgebung. Danilo war ratlos. Ich warf ein Blick auf den Track und die Karte. Scheiße! Wir hätten vor längerer Zeit abbiegen müssen. Ein Ablesefehler ließ Danilo denken, wir seien noch auf Kurs. Ok, das war auch meine Schuld, ich hätte öfter mal ein Auge auf das Gerät werfen müssen. Also wieder zurück. Unsere Abzweigung hatten wir bei der 80 verpasst. Da war auch eine 50, jedoch war sie nicht so gut zu sehen wie die 80. Der Fehler hatte uns ordentlich Zeit und Nerven gekostet. Insgesamt sollten wir heute 12 Bonuskilometer zurücklegen. Wenn man sowieso schon angeschlagen ist, ist das natürlich doppelt bitter. Wir meldeten uns telefonisch bei Klaus, dass es wohl später wird. Unser Tempo verlangsamte sich mehr und mehr. Trotzdem verlor die Strecke für uns nichts von ihrer Attraktivität.

  

   Wir erklommen den 169 m hohen Wilseder Berg, der höchsten Erhebung der nordwestdeutschen Tiefebene. Von hier hatten wir einen herrlichen Ausblick über unseren nächsten Streckenabschnitt. Und der zog sich gefühlt ganz schön in die Länge. Ein 80er überholte uns. Ich glaube, es war Holger Kanzog. Na wenigstens waren wir nicht alleine unterwegs. Noch nicht. Wir hatten ja noch ein ordentliches Stück vor uns.

Nach einer Weile erreichten wir wieder Oberhaverbeck. An einem Gasthof fand eine Ritterhochzeit statt. Das sag schon toll aus, aber wir wollten und mussten weiter. Ein paar hundert Meter weiter waren wir wieder am Wohnmobil.

Ein kurzes Päuschen, ein kühles Bier und weiter ging es auf die letzte Etappe. Nur noch 12 km bis zum Ziel (wenn man sich nicht verläuft). 12 km, die ganz schön lang wurden. Nach einer Weile offenes Gelände erreichten wir wieder einen Wald. Ein Trampelpfad führte uns ein längeres Stück gradeaus hindurch. Hier konnten wir mal wieder Tempo aufnehmen. Für ein paar Minuten lief es wie geschmiert. Schon faszinierend, wie nach so langer Zeit auf einmal wieder ein Flow auftreten kann. 

Unsere kleine Tempoeinheit endete kurz vor der B3. Nachdem wir die Bundesstraße überquert hatten waren wir wieder erheblich langsamer. So zog sich das letzte Stück natürlich wieder in die Länge. Ich war heilfroh als wir endlich wieder Schneverdingen erreichten. Nun war es nicht mehr weit bis zur Turnhalle, wo uns Klaus und ein paar Teilnehner jubelnd in Empfang nahmen. Mit 11:08 bräuchten wir erheblich länger als geplant. Ok, der Umweg hatte tierisch reingehauen. Aber nun war es vollbracht. Wir waren glücklich im Ziel, glücklich, es irgendwie geschafft zu haben. Und Glück mit dem Wetter hatten wir auch, denn bei uns blieb es den ganzen Tag trocken. 

 

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